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Foto: Elfie Semotan: Self–portrait, New York, 2000 (Ausschnitt) | Courtesy Studio Semotan © Elfie Semotan

ELFIE SEMOTAN | 1941-2026

Elfie Semotan, eine der bedeutendsten österreichischen Fotografinnen des 20. und 21. Jahrhunderts, ist am 6. Juni 2026 im Alter von 84 Jahren in Jennersdorf plötzlich verstorben - sieben Wochen vor ihrem 85. Geburtstag.

Geboren am 25. Juli 1941 in Wels, wuchs Elfie Semotan in Oberösterreich auf. Nach dem Abschluss an der Modeschule Hetzendorf in Wien zog sie 1961 nach Paris, wo sie zunächst als Fotomodell arbeitete. Doch das Stehen vor der Kamera lag ihr nicht: „Ich stehe nicht sehr gerne vor der Kamera. Das ist immer eine Überwindung für mich", bekannte sie einmal. Es war der Fotograf und spätere Partner John Cook, der ihr das Fotografieren beibrachte – und damit eine neue Welt öffnete. In Paris schloss sie auch eine enge Freundschaft mit Sarah Moon, die zur selben Zeit mit der Fotografie begann.

1971 kehrte Semotan nach Wien zurück, und ihre Karriere als Fotografin begann Gestalt anzunehmen. Ab 1976 fotografierte und filmte sie Werbekampagnen; ihre frühen Palmers-Plakate aus dem Jahr 1981 lösten den sogenannten „Wiener Wäschekrieg" aus – einen feministischen Protest, der zeigte, dass Semotan bereit war, das Spiel der Werbeindustrie mit subversiven Mitteln zu spielen. Auch die Römerquelle-Kampagnen wurden ikonisch. Sie selbst reflektierte über diesen Versuch, „die ganze Werbelandschaft schöner und intelligenter zu machen" – mit dem ernüchterten Fazit, dass ihre Arbeiten vom Mainstream schließlich vereinnahmt wurden.

Parallel dazu entwickelte sie sich zur gefragten Porträt- und Modefotografin für die großen Weltmagazine: Vogue, Elle, Esquire, Harper's Bazaar und The New Yorker buchten sie ab Mitte der 1980er-Jahre. Vor ihrer Kamera fanden sich Hollywood-Stars wie Marion Cotillard, Brad Pitt, Colin Farrell und Willem Dafoe ebenso wie Supermodels vom Kaliber einer Naomi Campbell und österreichische Kulturpersönlichkeiten wie Elfriede Jelinek, Maria Lassnig, Stefan Sagmeister und Frauenministerin Johanna Dohnal. Ab 1986 verband sie eine langjährige und enge künstlerische Zusammenarbeit mit Modeschöpfer Helmut Lang – mit Werken aus dieser Partnerschaft wurde 2001 die Fotogalerie WestLicht in Wien eröffnet.

Elfie Semotan war zweimal verheiratet: mit dem Künstler Kurt Kocherscheidt (1973–1992), mit dem sie die Söhne Ivo und August hat, und mit dem Künstler Martin Kippenberger (1996–1997). Mit Kippenberger arbeitete sie gemeinsam an dessen Werk Frieda für alle. Sie selbst wies stets darauf hin, nicht über die Männer an ihrer Seite definiert werden zu wollen. 2003 erhielt sie eine Gastprofessur an der Universität für angewandte Kunst Wien. Der Dokumentarfilm Elfie Semotan, Photographer von Joerg Burger (2019) setzte ihr zu Lebzeiten ein filmisches Denkmal.

Zu den herausragenden Auszeichnungen ihres Lebens zählen der Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst (1998), das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien (2004), das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (2011) sowie der Große Kulturpreis des Landes Oberösterreich für Fotografie (2024). Ihre Werke wurden in bedeutenden Häusern gezeigt, darunter die Kunsthalle Krems (Werkschau 2013), C/O Berlin (Contradiction, 2019), das Kunst Haus Wien (Haltung und Pose, 2021) und zuletzt das Flatz-Museum in Dornbirn (Behind the Camera, 2025). 2016 veröffentlichte sie ihre Autobiografie Eine andere Art von Schönheit.

Elfie Semotan lebte und arbeitete in Wien, New York und Jennersdorf im südlichen Burgenland.

semotan.com | WestLicht | Kunst Haus Wien


„Mit Elfie Semotan verliert die österreichische Fotografie ihre vielleicht bedeutendste Stimme. Ihr Werk hat die Grenzen zwischen Mode, Werbung und Kunst auf einzigartige Weise überwunden – und zeigt, dass ein Bild dann großartig wird, wenn, wie sie selbst sagte, ‚das Handwerkliche zusammenfällt mit etwas Undefinierbarem'. Elfie Semotan hat mit ihrem unverwechselbaren Blick das visuelle Gedächtnis Österreichs mitgeprägt."

Günter Schönberger | Geschäftsführer Bildrecht

„Ihr Blick wusste alles. Die Intelligenz ihres Blicks verwandelte Werbliches in Welthaltiges und Beiläufiges in Kostbares."

Stefan Grissemann | profil

„Mit Elfie Semotan verliert Österreich eine der bedeutendsten Fotografinnen unserer Zeit. Ihre ikonischen Porträts, Modefotografien und künstlerischen Arbeiten prägten die internationale Fotoszene."

Andreas Babler | Vizekanzler und Kunst- und Kulturminister

„Ihre Fotografien verbanden Eleganz mit Menschlichkeit, Präzision mit Empathie. Sie verstand es wie kaum jemand, hinter die Oberfläche zu blicken und die Würde, Individualität und Schönheit ihrer Motive sichtbar zu machen."

Michael Ludwig | Bürgermeister der Stadt Wien

„Elfie Semotan hat die österreichische Fotografie international sichtbar gemacht und ihr zugleich eine unverwechselbare künstlerische Handschrift verliehen."

Veronica Kaup-Hasler | Kulturstadträtin der Stadt Wien

„Mit Elfie Semotan verliert das Burgenland eine Künstlerin, die mit ihrer Wahlheimat Jennersdorf tief verwurzelt war. Ihr Tod ist ein unersetzlicher Verlust für die österreichische Kultur und das Kulturland Burgenland."

Hans Peter Doskozil | Landeshauptmann des Burgenlandes

„Mit Elfie Semotan verliert Oberösterreich eine außergewöhnliche Künstlerin und eine große Persönlichkeit. Sie hat mit ihren Fotografien neue Maßstäbe gesetzt und die internationale Foto- und Werbewelt nachhaltig geprägt."

Thomas Stelzer | Landeshauptmann von Oberösterreich

„Ihr Werk ist aus der Geschichte der österreichischen Fotografie nicht wegzudenken und wird auch künftige Generationen inspirieren."

WestLicht – Schauplatz für Fotografie, Wien