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Foto: Anton Kehrer, "lightflow_goloured glass / conneted", Direktdruck auf Plexiglas, 100 x 200 cm, 2014/2021 © Bildrecht, Wien 2025

Aktuelle Studie zeigt: Österreichs Bildende Kunst erwirtschaftet 6,2 Mrd. Euro, sichert 90.000 Jobs und bringt 2,8 Mrd. Euro Steuereinnahmen jährlich

Am 12. Juni 2026 wurde in Wien die Studie „Wertschöpfung der Bildenden Kunst in Österreich" präsentiert. Die von den Wirtschaftsforschern Dr. Michael Paul und Dr. Anna Kleissner (paul und collegen consulting / econmove) erstellte umfassende Untersuchung zeichnet erstmals ein vollständiges Bild der wirtschaftlichen Bedeutung der Bildenden Kunst in Österreich.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

  • Gesamte Bruttowertschöpfung: Die Bildende Kunst generiert eine jährliche Bruttowertschöpfung von rund 6,2 Milliarden Euro – das entspricht 1,41 % der gesamten österreichischen Wirtschaftsleistung.
  • Beschäftigung: Das Ökosystem der Bildenden Kunst sichert rund 90.000 Arbeitsplätze in Österreich.
  • Steuereinnahmen: Der Sektor generiert jährlich rund 2,8 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben.
  • Tourismus: Museen und Ausstellungen sind Hauptreisemotiv für jeden zehnten Touristen in Österreich – das entspricht 4,5 Millionen Gästen und über 15 Millionen Übernachtungen. Kulturtouristen geben im Durchschnitt 247 Euro pro Tag aus.
  • Ausbildung: Rund 3.700 Studierende sind im Bereich der Bildenden Kunst eingeschrieben, davon 51 % aus dem Ausland.

Ein Ökosystem, das weit über Kunst hinausgeht

Die Studie betrachtet die Bildende Kunst als vernetztes Ökosystem, das von der Ausbildung und Forschung über Produktion, Logistik, Kunsthandel und Ausstellungswesen bis hin zu Tourismus, Kommunikation und zahlreichen Dienstleistungsbranchen reicht. Diese umfassende Betrachtung korrigiert bisherige statistische Annahmen: Während die offizielle Kulturstatistik den Sektor bisher mit nur 0,1 % der Wirtschaftsleistung ausgewiesen hat, liegt der tatsächliche Anteil laut Studie bei 1,41 % – rund 14-mal höher.

Zum Ökosystem der Bildenden Kunst zählt die Studie neben Künstlerinnen und Künstlern sowie Verwertungsgesellschaften auch Galerien, Auktionshäuser, Museen, Messen und Kunstvereine sowie Tourismus, Versicherungen, Transporte und viele weitere Sektoren.

Handlungsbedarf: Österreich schöpft sein Potenzial nicht aus

Trotz dieser beeindruckenden Zahlen kommt die Studie zu dem Schluss, dass Österreich sein wirtschaftliches Potenzial im Bereich der Bildenden Kunst derzeit nicht ausreichend nutzt. Im europäischen Vergleich gerät das Land zunehmend unter Druck: Bedeutende Kunsthandelsplätze wie Deutschland, Frankreich oder Luxemburg haben ihre steuerlichen Rahmenbedingungen zuletzt verbessert, während Österreich Marktanteile und internationale Sichtbarkeit verliert.

Die Studie nennt einige strukturelle Herausforderungen und spricht Empfehlungen aus:

Zentrale Empfehlungen der Studie

  • Entwicklung einer national abgestimmten Standortstrategie für die Bildende Kunst
  • Stärkung eines international sichtbaren Messe- und Festivalfensters in Österreich
  • Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Kunstmarktes
  • Stärkere Nutzung der Bildenden Kunst als Tourismus- und Standortfaktor
  • Verbesserung der steuerlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen (steuerliche Abschreibung von Kunstkäufen für Unternehmen, Senkung des Umsatzsteuersatzes für Kunst)
  • Gesetzliche Regelungen im Bereich Künstliche Intelligenz zum Schutz von Urheberrechten und zur fairen Beteiligung von Urheber:innen an den Gewinnen der großen Internetplattformen
  • Lösungen zu Kunstnachlässen und vererbten Sammlungen prüfen - von gemeinnützigen Kunststiftungen, Nachlasszentren, öffentlich-privaten Sammlungsmodellen bis zu sinnvollen Erhaltungsstrukturen.

Statements

„Diese Studie liefert erstmals den fundierten wirtschaftlichen Nachweis für das, was wir in unserer täglichen Arbeit seit langem sehen: Die Bildende Kunst ist für Österreich ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, der erhebliche Wertschöpfung, Beschäftigung und Steuereinnahmen bringt. Bei rund 6,2 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung und 90.000 Arbeitsplätze sollte klar sein: Wer Künstlerinnen und Künstler stärkt, stärkt zugleich den Wirtschafts- und Kulturstandort Österreich. Als Verwertungsgesellschaft setzen wir uns tagtäglich dafür ein, dass die Urheberinnen und Urheber an dieser Wertschöpfung fair beteiligt werden – insbesondere im Zeitalter der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz. Die Ergebnisse der Studie bestärken uns darin, unseren Einsatz für eine angemessene Vergütung und den wirksamen Schutz künstlerischer Rechte konsequent und mit Nachdruck fortzusetzen."

Günter Schönberger, Geschäftsführer der Bildrecht

„Die Ergebnisse zeigen klar: Investitionen in die Bildende Kunst sind nicht nur kulturpolitisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftspolitisch vernünftig. Wer Wertschöpfung, Beschäftigung und internationale Standortattraktivität stärken möchte, sollte die Bildende Kunst als Zukunftsbranche sehen."

Martin Janda, Vorsitzender des Verbands österreichischer Galerien


Über die Studie

Die Studie Wertschöpfung der Bildenden Kunst in Österreich wurde erstellt von Dr. Michael Paul und Dr. Anna Kleissner (paul und collegen consulting / econmove) im Auftrag des Verbands österreichischer Galerien. Sie wurde finanziert vom Verband österreichischer Galerien mit Unterstützung von Bildrecht, BMWKMS, Dorotheum, Wirtschaftskammer Österreich, Wirtschaftsagentur Wien und NÖ Kulturwirtschaft.

Nähere Informationen
Rudolf Leeb, Generalsekretär
Verband österreichischer Galerien
office@diegalerien.at
+43 676 342 9054

www.diegalerien.at