KATJA HASENÖHRL & LORENA SENDIC SILVERA | Im Licht des Nordens
Bildraum 01
11. Dezember 2025 bis 5. Februar 2026
Die Ausstellung Im Licht des Nordens im Bildraum 01 zeigt Fotografien, die 2016 während der künstlerischen Begegnung von Katja Hasenöhrl und Lorena Sendic Silvera in Island entstanden sind.
Die raue Vulkan-Landschaft Islands zog die beiden in ihren Bann. Sich dieser elementaren Natur auszusetzen, gleicht einer Katharsis. Naturgewalt — Zerstörung — Wiedergeburt — neues Leben, stehen hier Seite an Seite, sind unweigerlich miteinander verbunden und erinnern an den Ursprung unserer Erde. Fragen zu Gender, Gleichberechtigung und Selbstermächtigung im Wechselspiel mit der landschaftlichen Härte und Schönheit Islands haben Lorena Sendic Silvera und Katja Hasenöhrl auf ihrer Reise geleitet.
Dieser Fragestellung folgt auch die Ausstellung im Bildraum 01. Das Licht des Nordens legt die Symbiose zwischen Natur & Mensch offen. Eine einzigartige Assemblage aus einer Vielzahl heterogener Elemente, deren Zusammenspiel neue Eigenschaften hervorbringt, die die Identität des Ganzen definieren. Kurz gesagt, die isländische Gesellschaft ist untrennbar mit ihrer extremen Geografie verbunden.
Die portraitierte Eisschwimmerin von Katja Hasenöhrl — kombiniert mit Lorena Sendic Silveras analoger, schwarz-weißer menschenleeren Fotografie einer dunklen Berggruppe — sind ein passendes Beispiel dafür. Die Extremsportler:innen trainieren als Gruppe mehrmals wöchentlich zu allen Jahreszeiten und Wetterbedingungen. Bei Temperaturen von 4 bis maximal 12 Grad im Sommer wird hier im eisigen Atlantik geschwommen. Ohne Neoprenanzug — nur im Badeanzug, mit Schwimmbrille, -handschuh und -schuhen, um die Hände und Füße vor den scharfen Kanten der vulkanischen Felsen zu schützen. Diese Frauen (und Männer) übergehen ihr körperlich tief verankertes Warnsystem, das beim Kontakt mit dem eisigen Element den Körper in den Fight-or-Flight-Modus versetzt, um das Leben zu schützen. Aber der menschliche Körper — ein außergewöhnlicher Organismus — kann darauf trainiert werden, unter diesen unwirtlichen und menschenfeindlichen Konditionen zu überleben und nicht zu erfrieren. Vor dem schwarzen Vulkangestein offenbaren die knallrote Haut und der zufriedene Blicke der Athletin das Eisschwimmen als einen Akt der Selbstüberwindung und Grenzüberschreitung – ein Ausdruck menschlicher Widerstandskraft. Alle Elemente werden hier eins — fordern einander heraus, stärken einander.
An der gegenüberliegenden Wand begegnet uns das Portrait der jungen Frau Svandís von Lorena Sendic Silvera, kombiniert mit Katja Hasenöhrls Fotografie einer verschneiten Bergkuppe. In diesem Bild begegnen wir Svandís in einem Moment besonderer Offenheit. Es war ihr erstes Foto-Shooting — eine Erfahrung, die für die junge Frau eng mit Selbstwahrnehmung und Selbstwert verknüpft war. Das reduzierte Licht und der dunkle Hintergrund lenken den Blick vollständig auf ihr Gesicht, das ruhig und zugleich entschlossen wirkt. Das um den Hals gelegte Haar — während des Shootings intuitiv entstanden — wird zu einem spielerischen Element ihrer eigenen Selbstinszenierung. Nicht die Inszenierung einer Rolle, sondern das behutsame Abtasten innerer Räume — die bewusste Offenheit, das Zulassen von Verletzlichkeit und die Nähe der Kamera — steht hier im Zentrum. Das Porträt erzählt von Vertrauen – in den Moment, in die fotografische Begegnung und in sich selbst. Wir sehen, wie eine junge Frau zum ersten Mal ihre eigene Präsenz vor der Kamera erkundet und dabei einen Schritt in Richtung Selbstbestärkung wagt. Solche Momente können für junge Frauen von großer Bedeutung sein, weil sie die Möglichkeit eröffnen, sich selbst aus einer neuen, selbstbestimmten Perspektive kennenzulernen. Wie die Eisschwimmerin überwindet auch Svandís ihre eigenen Grenzen – und tritt gestärkt aus dieser neuen Erfahrung hervor.
Beeindruckende Landschaftsdarstellungen — als großformatige Wandtapeten und einer Videoinstallation — treten mit den Portraits in einen Dialog. Sie erzählen von menschlicher Selbstermächtigung, Resilienz und einer einzigartigen Beziehung zur Umwelt — im Angesicht einer dynamischen und manchmal gewaltsamen Natur.
Ausstellungsdauer: 12. Dezember 2025 - 5. Februar 2026
Mehr Informationen zu Katja Hasenöhrl hier.
Mehr Informationen zu Lorena Sendic Silvera hier.