Bildraum 07
27. März 2018 bis 19. April 2018

WERNER SCHIMPL

Lightholes

 

Bildraum 07 | Burggasse 7-9, Wien 7
Öffnungszeiten: Di-Fr: 13-18 Uhr

Eröffnung: Dienstag, 27. März, 19 Uhr

Begrüßung:
Günter Schönberger, Bildrecht
Zur Ausstellung:
Roman Grabner, Universalmuseum Joanneum

In Form eines transitorischen Crossovers experimentiert Werner Schimpl in Lightholes an intermedialen Schnittstellen. In der Verkabelung von zumeist sozialkritischen Sujets reflektiert der Medienkünstler im Bildraum 07 Codierungen des Sichtbaren und des Unsichtbaren. Die damit verbundenen Überschneidungen von Oberflächen und Tiefen nutzt Schimpl für eine ironisch getönte Auseinandersetzung mit der Diskrepanz zwischen dem Öffentlichen und dem Privaten sowie für die Beleuchtung von sozialen Macht- und Kontrollmethoden.

Abscannen, erhellen, irritieren: Mit der Lichtinstallation „U-Boot“ führt Werner Schimpl das künstlerische Kreativitätspotential und dessen gesellschaftspolitische Relevanz vor Augen. Dazu hat er Taschenlampen anderer KünstlerInnen zu einer Kollektion zusammengefügt und lässt die von ihnen ausgesendeten Lichtkegel unentwegt und wachsam über den Umraum schweifen. Neben der rotierenden Installation zeigt der Künstler in Fotoarbeiten und Lichtobjekten seine Freude am Experiment. Das scheinbar Offensichtliche beiseiteschieben, mit Röntgenblick harte Oberflächen wegbrennen, sehen, wahrhaftig sehen: In der Arbeit „Sozial System“, entstanden im Röntgenkanal des Flughafen Graz-Thalerhof, lassen Neonlicht und UV-Strahlen die zu kontrollierenden Körper und Gegenstände, wie in Mondlicht getaucht, durch den Raum schweben, alle Gesetzlichkeiten umgehen und sich im Oben wie im Unten verlieren.

In aller Euphorie, den Möglichkeiten und Freiheiten, die der Einsatz von Licht mit sich bringt, sieht sich Werner Schimpl durchaus auf der skeptischen Seite. Die Assonanz zwischen light und enlightment, zwischen Licht und Aufklärung, geht zwar leicht über die Lippen, doch hat künstliches Licht dazu geführt, dass der Mensch mit seinem Biorhythmus, mit körperlich auferlegten Regeln gebrochen hat und zum Dirigenten seiner Umwelt geworden ist. Diese Form des Selbstmissverständnisses führt Schimpl in seinen Anspielungen auf die stetig wachsende Bedeutung technischer Interaktionsmittel fort. In „Facebook“, einer in drei Schriftebenen geschichteten, transparenten Hybridform aus traditionellen und neuen Buchelementen, unterstreicht Werner Schimpl mit seiner Handschrift aus Strom führenden Kabeln sein ambivalentes Verhältnis zum neuen Privaten.

Lightholes, ein alle Individualität verschlingendes schwarzes Social-Media-Loch - oder doch ein Katapult in eine andere Dimension menschlicher Interaktion? Werner Schimpl nutzt das Licht als großen Erzähler, als Aufklärer, Blender und Zerstreuer, allen voran aber als unerschöpfliche Quelle seiner unterschiedlichen künstlerischen und technischen Interventionsformen.

Ausstellungsdauer: 28. März – 19. April 2018

ÜBER DEN KÜNSTLER

Werner Schimpl
* 1949 in Graz. Lebt und arbeitet in Graz.
seit 1981 freischaffender Künstler / Licht-Medienkunst: „U-Boot“ 2006 unter dem Andreas-Hofer-Platz in Graz; „Sonnenauge“ 2010/2011 im Kreisverkehr Hollenegg/Deutschlandsberg; 2014 Ankauf von zwei Fotoserien durch die Neue Galerie/Joanneum Graz; 2015 Verleihung eines Maecenas Steiermark mit der Knill-Gruppe, für die Installation „Baskets of Energy“. Der 30jährige Aktivismus im steirischen Kunstbetrieb ist aus den verschiedensten Quellen zu entnehmen. 

Fotocredits:
Werner Schimpl, Lightholes, 2018, digitale Fotografie, 85 x 60 cm (Detail) | Bildrecht, Wien 2018.

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