Bildraum Bodensee
12. Dezember 2017 bis 09. Februar 2018

SEVDA CHKOUTOVA

hide II

 

Bildraum Bodensee
Seestraße 5, Bregenz
Di, Do: 13-18 Uhr | Fr, Sa: 11-16 Uhr

Eröffnung: Dienstag, 12. Dezember 2017, 19 Uhr 

Begrüßung:
Mag. Günter Schönberger, Bildrecht
Zur Ausstellung:
Mag. Stefania Pitscheider Soraperra, Frauenmuseum Hittisau

Sevda Chkoutova spürt im Bildraum Bodensee der psychischen Entwicklung vom Mädchen bis zur jungen Mutter nach. Sie bezieht sich auf die ihr vertrauten psychoanalytischen Theorien Sigmund Freuds und C.G. Jungs, beschäftigt sich mit der Polarität des Guten und Bösen, mit Eros und Todestrieb. Klar und offen thematisiert Chkoutova Lebenssituationen von Frauen und erkundet auch die dunkelsten Winkel der Sexualität. Die deutlichen Veränderungen auf körperlicher und seelischer Ebene setzt die Künstlerin fantasievoll um, fragmentarisch und expressiv zugleich.

Den Ausgangspunkt der Einzelausstellung markieren mit weißer Tusche bemalte Kinderschaufensterpuppen. Chkoutova veranschaulicht damit Beziehungen zwischen den Geschlechtern und soziale Dynamiken. Für „hide II“ hat Sevda Chkoutova die Puppen ungehemmt vollgekritzelt. Ob naive Kinderzeichnung, oder wüste Übermalungen ganzer Körperpartien: Sie zeugen von familiären Konflikten, Fantasien, Ängsten und von der Ambivalenz des kindlichen Spiels. Die stumme, bedrückende Präsenz der vorpubertären Figuren und Kindfrauen lässt Schlüsse auf die Dysfunktionen ihrer Umwelt laut werden, sie beschreibt die Brüchigkeit des Idylls, die sprachlose Verwirrung angesichts einer Doppelmoral, die Jungfräulichkeit idealisiert und die Realität körperlichen und emotionalen Missbrauchs tabuisiert.

In einer weiteren Werkserie entscheidet sich Sevda Chkoutova für Latex als Bildträger. Hautgleich hängen die durchscheinenden, gelbliche Latexhäute von der Decke herab. Als Sinnbilder für die äußerste Schicht des Körpers hat sie die Künstlerin mit schwarzer Tusche bemalt - teils bei geschlossenen Augen. Diese Arbeiten symbolisieren für Chkoutova den „blinden“ Wald und die aus Hass blindgewordene Mutter. Ein dramatisches Zusammenspiel, das seinen Höhepunkt im dritten Raum findet: Die gesamte Wandfläche umfasst eine Zeichnung, in der sie die eigenen Grenzen und die Enge des Körpers anspricht.

Diese In-situ-Installation zeigt eine Fülle meist weiblicher, oft nackter Figuren. Bruchstückhaft und karikierend, surreal-aggressiv überzeichnet bietet sie ein Sammelsurium provokanter Vorstellungswelten, zeigt den Alltag als Frau, Mutter und sexualisiertes Wesen. Die schemenhaften und fragmentierten Szenen bestechen durch ihre virtuose Technik, einen variantenreichen, spontanen Strich sowie durch überraschende und irritierende Details. Sevda Chkoutova zeigt das ungeschönte Leben. Ihre Geschichten vermittelt die Künstlerin gefühlsnah und echt. Dabei gehen ihre zeichnerischen Erzählungen tief unter die Haut – jene Membran, die zwischen dem Ich und dem Rest der Welt vermittelt.

Finissage / Artist Talk: Freitag, 9. Februar 2018, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 14. Dezember 2017 – 9. Februar 2018

Mehr Informationen auf der Homepage von Sevda Chkoutova

ÜBER DIE KÜNSTLERIN
Sevda Chkoutova
*1978 in Sofia, Bulgarien

AUSBILDUNG
2004 – 2005 Studienaufenthalt in Chicago, Illinois, USA
1998 - 2002 Studium kontextuelle Malerei, Akademie der bildenden Künste, Wien
1997 - 1998 Studium Kunstgeschichte, Universität Wien
1996 - 1997 Studium Kunstgeschichte, neue Bulgarische Universität, Sofia

EINZELAUSSTELLUNGEN (in Auswahl)
2016 Ferkel, projektraum viktor bucher, Wien;
2013 Sevda Chkoutova, Zone 1 – Viennafair, Wien; Paradiesvögel, projektraum viktor bucher, Wien, und Galerie Herbert Alber, Bregenz;
2012 Gelitten hat meine Mutter, Jesuiten Foyer, Wien;
2011 24h II, projektraum viktor bucher, Wien; When the milk comes in II, Literaturhaus Salzburg
2010 24h Galerie Chobot, Wien;
2009 Weibsbilder, Galerie Art House, Dornbirn; Rabbit and other stories, Visconti Fine Art, Ljubljana, Slowenien
2008 Verblüht Galerie Chobot, Wien;
2006 Nackt, STRABAG Kunstforum, Wien;
2005 Galerie Griffin, Chicago, IL, USA;
2004 Sevda Chkoutova, Galerie Margret Kruse, Hamburg, Deutschland

GRUPPENAUSSTELLUNGEN (in Auswahl) 
2017 LOOK! New Acquisitions / Neuerwerbungen, Albertina, Wien; PARÉIDOLIE - Salon International Du Dessin Contemporain, Marseille, Frankreich;
2016 Vielen Dank, auf Wiedersehen, Galerie Martina Detterer, Frankfurt am Main, Deutschland;
2015 Rabenmütter, LENTOS Kunstmuseum Linz, Linz;
2014 European Art Project, Chelsea Galerie, Laufen/Basel, Schweiz;
2013 OMV Exhibitoin – art from Austria, IC, Istanbul, Türkei; Biennale Giovani Monza, Monza, Italien;
2012 ABSTRACTION / FIGURATION. Austrian Contemporary Art, Kunstmuseum Sotschi, Russland; 1.Faber-Castell Preis für Zeichnung, Neues Museum in Nürnberg, Deutschland
2009 1st Danube Biennale, Danubiana, Meulensteen Art Museum, Bratislava, Slowakei; Eros Kalos, Museum Lapidarium, Novi Grad, Kroatien; 
2006 Contact.by.art.pl,Centrum Sztuki Wspolczesnej”Solvay, Krakau, Polen;
2005 Gallery 1633, Chicago, Illinois, USA 

WERKE IN SAMMLUNGEN
Albertina, Belvedere, MUSA – Museum auf Abruf, STRABAG Kunstforum, Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste, Wien; LENTOS Kunstmuseum, Linz; Museum Angerlehner, Thalheim bei Wels; Sofia Art City Gallery, Bulgarien; Neues Museum Nürnberg, Sammlung Faber-Castell, Nürnberg/Stein, Sammlung Klöcker, Frankfurt/Main, Deutschland; Imago Mundi, Luciano Benetton Collection, Italien; Municipal Gallery, Nova Gorica, Slowenien

 

Fotocredits:
SEVDA CHKOUTOVA, O.T., Installationsansicht aus der Serie „hide“, 2017, Tusche auf Kunststoff | Foto: Reinhard Muxel | © Bildrecht, Wien 2017;
SEVDA CHKOUTOVA, O.T., Installationsansicht aus der Serie „hide“, 2017, Tusche auf Naturlatex | Foto: Reinhard Muxel | © Bildrecht, Wien 2017;
SEVDA CHKOUTOVA, Buchansicht | Foto: Reinhard Muxel | © Bildrecht, Wien 2017

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